SFD-1001

Herkömmliche Disketten* enorm effektiv genutzt. Das funktioniert mit einem Floppylaufwerk, das ihren Ursprung weit vor der C64-Ära auf dem Commodore-Produktmarkt hatte. Gut ein Megabyte Daten auf einmal mit normalen DD-5,25″ Disketten, ein Traum! Doch wie alles, was traumhaft klingt, gibt es auch hier einen Fallstrick: Die Inkompatibilität zwischen 1541 und SFD-1001 Format trotz gleicher Disketten. Zudem der IEEE-488 Anschluss, der beim meistverkauften Computer Commodores (dem C64 mit verzeichneten 17 Mio. Geräten zw. 1982 und 1994), den direkten Anschluss dieses Laufwerks an den C64/C128/VC20 nicht möglich macht.

Was ist aus diesem Laufwerk geworden, wie verwendet man es heute und warum sollte man sich überhaupt darauf einlassen? Ich versuche einen Werbeversuch.

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…naja oder spart sich den Kauf eines Extra IEEE-488 Moduls wie z.B. das selten verbreitete Interpod. Denn für die Heimcomputerreihe C64 und Co. ließ sich die SFD-1001 nicht per seriellem Kabel anschließen.

Doch das Laufwerk kann nichts dafür inkompatibel zum C64 zu sein, denn es war technisch gesehen zuerst auf dem Markt (als Doppelseitiger Single-Floppy-Disk-Nachfolger des Single-Sided Doppellaufwerks CBM 8050 Laufwerks) und für die professionelle PET-Reihe der Commodore Büromaschinen Braunschweig entwickelt. Diese trugen den 1974 als Standard festgelegten parallelen Peripherieanschluss. Der IEC-Bus des später für den VC20 festgelegten Peripherieanschlusses bildet die serielle „Weiterentwicklung“ des parallelen Vorbildes IEEE-488. Vergleichbar ist diese Entwicklung etwa wie beim IBM-PC der parallele IDE-Anschluss und der spätere SATA-Standard, wobei in diesem Beispiel tatsächlich ein Fortschritt und kein Einschnitt entstand. Diese Daten sind frei vom C64-Wiki zum Thema Doppellaufwerke entnommen. Der serielle Bus ist mit maximal 25kByte/Sek. dem parallelen IEEE-488 Anschluss mit einer Datenrate von maximal 1MByte/Sek. merkbar unterlegen! Durch einen Architekturfehler in der VIA-Beschaltung der 1541 liegt die effektive Datenrate sogar nur bei etwa 400 Byte/Sekunde, womit die Floppy 1541 allen anderen Diskettenstationen der Konkurrenzcomputer wie z.B. dem Atari völlig unterlegen ist. Direkte Vergleiche verbieten sich zwar, dennoch hat sich die 1541 nicht gerade mit Ruhm in Sachen Ladegeschwindigkeit bekleckert.

Doch zurück zu den Vorteilen dieses Wunderlaufwerks SFD-1001.
Auf speziellen 100 TPI Floppydisks im 5,25-Zoll Format konnten mit 277 Tracks pro Diskettenseite mehr freie Blocks als auf der 1581, dem 3,5″-Laufwerk erzielt werden. Außerdem ließ die SFD auch die Benutzung von vielen neueren 48 TPI-Disketten zu, die durch technischen Fortschritt eigentlich 100 TPI Disketten waren.

So erscheint es dem Anwender, auf reguläre 360kByte Disketten gut 1MByte speichern zu können. In der Praxis ist das auch oft erreichbar, obgleich es sich empfiehlt für wichtige Daten tatsächlich 100 TPI-Disketten zu verwenden. Die Spurdichte ist dort höher und die Datensicherheit gewährleistet. Eben so gut funktionieren die viel verbreiteteren 96 TPI-DD Disketten, jedoch nicht HD-Disketten, da diese einen höheren Schreibstrom für das andere Magnetmaterial benötigen!

Von der 1541 kennen wir die maximale Dateien-Anzahl von 144 pro Diskettenseite. Diese Restriktion gilt für die 1001 nicht mehr. Außerdem können REL-Dateien so groß wie der freie Diskettenplatz genutzt werden. Somit eignet sich die SFD-1001 für alle professionellen Zwecke wie Datenbanken, Massenspeicher für viele kleine Dateien, z.B. viele Bilder im Koala-Painter Format. Denkbar ist auch eine Jukebox-Diskette mit sehr vielen SID-Musikstücken. Übrigens stecken in dem Wunderlaufwerk gleich zwei 6502 CPUs, womit die anfangs beworbene 5-fache Leistung nochmal verdoppelt wird, ganz vom parallelen Anschluss und den gelockerten Restriktionen zu schweigen!

Resümierend kann hier wirklich von einer finalen Vollversion des Commodore-Diskettenaufwerks gesprochen werden. Es ist offensichtlich in allen Belangen allen anderen Diskettenlaufwerken, wie der 1571, 1581 und sogar der 1551 überlegen. Leider ist es auf dem Papier immer etwas anders als in der Praxis, das soll gar nicht verschwiegen werden. Original-Spiele können vom Laufwerk gar nicht gelesen werden. Ebenso nicht möglich ist es, kopiergeschützte Spiele für den C64 per Nibbler zu übertragen. Sogar Trackloader funktionieren nicht mehr, da die Datenstruktur eine andere als auf der 1541 ist. Einen echten Praxisnutzen erfährt mit der SFD-1001 nur der Power-User, der ernsthafte Anwender also und nicht der Gamer.

Dennoch ist das Laufwerk so ein Technikprotz, dass es einfach Spaß macht, es am C64 auszukundschaften und doch das eine und andere Mal einen Gewinn für den Praxisalltag zu erfahren.

Quellen: C64-Wiki, Secret Weapons of Commodore, CBMhardware

https://www.c64-wiki.de/wiki/IEEE-488
https://www.c64-wiki.de/wiki/Interpod
https://www.c64-wiki.de/wiki/Doppellaufwerk
https://www.floodgap.com/retrobits/ckb/secret/periph.html
http://www.cbmhardware.de/floppy/sfd1001.php