Doc Phura

Ich habe ein hübsches Lächeln, aber ich benutze es nicht.

Ich habe ein hübsches Lächeln, aber ich benutze es nicht.

Mein Erstkontakt zu einem digitalen Gerät fand 1969 mit einem „PicoDat“-Spielzeug (ein solches ist im Computerspielemuseum Berlin zu bewundern) statt, welches mit Schiebeschaltern und Drahtbrücken gleichermaßen Verständnis und Interesse fürs Programmieren auf Bit-Niveau weckte. Der Informatikunterricht an der Berufsschule, der damals »EDV« hieß, fand noch komplett auf dem Papier statt: Hast du L0L0, greif zu 0LL0!
Später, in den 1980er-Jahren, waren Computer für mich nur als wissenschaftliches Arbeitsgerät zugänglich. Der erste war ein HP 9835A mit internem Thermodrucker und einem rasenden Schnürsenkel – freilich zugeteilt auf der Basis von etwa 120 Minuten Rechenzeit pro Woche. Gespielt werden musste klammheimlich: »Mondlandung« und irgendwann auch »Leisure Suit Larry« auf einem Schneider-PC. Mein erster Programmiererfolg war eine Modifikation des BASIC-Anwenderprogramms eines Fluoreszenzmesscomputers SILEX.
Doc Phuras Party-C64

Doc Phuras Party-C64

Noch während sich der Staub vom Fall der Mauer, die bis dahin die westliche Computerwelt vor mir geschützt hatte, legte, kam 1990 ein bezahlbarer Rechner ins Haus: ein Commodore 64 für 300 DM. Wenn der C64 auch zeitweise wegen der besseren Bildschirmauflösung von einem C128DB sekundiert wurde, hat er mich doch treu als Spiel- und Arbeitskamerad durch die 1990er-Jahre begleitet und bis heute steht stets ein betriebsbereites Exemplar auf meinem Zweitcomputertisch.
Irgendwann Ende der 1990er-Jahre, wurde ich, quasi von hinten, von der Retro-Welle überrollt. Seit 2006 kultiviere ich meine Leidenschaft für obsolete Elektronik im Commodore 64 Club Berlin.
Das Coolste und Wertvollste am Retro-Hobby sind für mich die jungen Leute, denen ich ab und zu erzählen darf, wie das wirklich war in den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren. Ach ja, und ich werde in zwanzig Jahren nicht ständig auf Beerdigungen gehen müssen, so wie dann meine Altersgenossen im Canastaclub und bei den Briefmarkensammlern.

2 thoughts on “Doc Phura

  1. Toller Artikel! Nur eines habe ich nicht verstanden: „Hast du L0L0, greif zu OLLO“? Bitte um sachdienliche Hinweise 😉

    • BCD-Addition, damals mit Stift und Papier. Hat man einen Zehnerübertrag erreicht (bin1010 = dec10) muss man dec6 (=bin 0110) addieren:

      5
      +7
      ____
      12

      0101
      + 0111
      _____
      1100

      + 0110
      _______
      1 0010

      Es war ja keine Hardware da, die das von allein tat, wie der 65xx. „Hast du L0L0, greif zu 0LL0!“ war die Eselsbrücke dafür.

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