Flohmarkt am Vatertag

Was gibt es für einen Mann schöneres als am Vatertag (Christi Himmelfahrt) auf den Flohmarkt zu gehen? Dort findet sich eventuell der Bollerwagen für die Bierkiste(n), die traditionell am 39. Tag nach Ostersonntag umher gezogen werden. „Flaschbier To Go“ hat in Berlin seinen Ursprung. Dieser Wandertag mit Folgen (meist schmerzhafte Ausnüchterungs-Arien) macht Mann gemeinsam mit seinen Freunden seit Ende des 19. Jahrhunderts. Doch nicht jeder Mann unterzieht sich freiwillig einer inneren Desinfektion oder geht gern auf wackligen Beinen gröhlend durch die Stadt.

Ein schöner Familienausflug mit den Kindern oder gar allein ganz entspannt in der Trödelhalle ist geeignet für den Tag der Auffahrt Jesu Christi. Bodenständig bleibt der Jäger und Sammler: Hier ein Kofferradio mit Kassettenteil, dort ein Rubiks Zauberwürfel oder eine Kiste Schallplatten… Es findet sich so allerlei Vergangenes und Liebgewonnenes. So auch in der Trödelhalle zu Spandau.

Und was wäre ein Bericht des C64 Club Berlin ohne C64-Zusammenhang? Nicht publikativ! Also mache ich mich auf die Socken zum Außen- und Innenflohmarkt gegenüber der Zitadelle Spandau. Mein Ziel ist es, ein originales C64 Spiel samt Verpackung, Anleitung und Poster zu ergattern und ganz nebenbei mit dem Verkäufer zu plaudern.

Ick stehe uff da Brücke
Und spuck‘ in’n Kahn,
Da freut sich de Spucke,
Det se Kahn fahren kann.

Trödelhalle-ParkplatzAnreisen kann man entweder mit dem Auto, wenn die Absicht besteht, etwas größeres mitzunehmen oder mit dem Bus X33 bis Märkisches Viertel oder mit der U7 bis Zitadelle (kleiner Fußmarsch nötig). Parkplätze sind reichlich vorhanden. Wird das Fahrrad bevorzugt, ist auch ein kleiner Abstecher zur Schleuse Spandau drin. Zur Stärkung nach der Radtour lädt das Bistro im Trödelmarkt ein. Hier gibt es Hausmannskost zum Herrentag. Ordentlich große Buletten, Wiener mit Schrippe und eine anständig typisch-berlinerische Begrüßung im Berlin-Dialekt.

Ick sitz’ am Tisch und esse Klops,
uff eenmal klopp’s.
Ick kieke, staune, wunda mir,
uff eenmal jeht se uff, de Tier!
„Nanu!“, denk’ ick, ick denk’: „Nanu?
Jetz isse uff, erst war se zu?!“
Ick jehe raus und kieke
und wer steht draußen? … Icke.

KäferblumenDoch außer einem Konsolenspiele-Händler finde ich nichts und niemanden, der mein Ziel näher bringt. Ich gehe durch die vier Hallen und finde eine Menge Kleidung, Möbel, Schallplatten und Teppiche. Zuletzt stehe ich wieder am Startpunkt und schaue einem Käfer auf den Hintern.

Scheinbar sitzt der C64 Club Berlin auf einem Goldschatz. Niemand hat mehr die begehrten Edelsteine der 90-er Spieleindustrie. Ich mache mir nichts draus, fahre nach Hause und schalte den SX64 ein; für eine Runde Archon.

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