Praxis-Tipp #00: Diskette formatieren

Eine der großen Hürden stellt die textbasierte Bedienung des Commodore 64 dar.
Gerade heutzutage, wo die Bedienung mit einer Maus auf einer grafischen Benutzeroberfläche selbstverständlich geworden ist, fällt es schwer, mit der Tastatur ganz banale Dinge zu erledigen.

Der erste Schritt zur Benutzung einer Diskette lautet immer „formatieren“.
Bei diesem Schritt wird eine Art Register auf die Diskette geschrieben.
So findet das jeweilige System (hier C64) die Daten, die angefordert werden.

Checkliste „Diskette formatieren“

  • Diskettenlaufwerk mit Strom und Datenkabel verbinden
  • prüfen, ob die Diskettennummer-Schalter beide richtung Gehäusedeckel zeigen (1541-II)
  • C64 mit Datenkabel und Video-/Antennenkabel verbinden
  • Fernseher auf den richtigen Kanal (~UHF 36) einstellen oder auf AV schalten
  • zuletzt das Netzteil für den Computer anschließen

Nun ist das Computersystem annähernd betriebsbereit.

Einschaltreihenfolge beachten! Erst die Peripherie -das Diskettenlaufwerk also- und zum Schluss den C64 einschalten.

Sobald der typische blaue Einschaltbildschirm des C64 erscheint, kann es endlich mit dem formatieren losgehen.
Zuerst sollte eine neue Diskette in die Floppy eingelegt werden. Die Schutzhülle ist wie bei einer Schallplatte beiseite zu legen. Zuerst wird die „A“-Seite formatiert. Diese erkennt man an dem Aufkleber, bzw. dem weißen/silbernen/grauen/schwarzen Verstärkungsring in der Mitte. Zeigt diese Seite beim einlegen nach oben, ist Seite A eingelegt. Verriegelung schließen, noch einmal prüfen ob die Diskettenstation und der Computer eingeschaltet sind und das Datenkabel beide verbindet.

Nun wird direkt in einer leeren Zeile folgender Befehl eingegeben (bitte akribisch genau vorgehen, die Leerzeichen können weggelassen werden):
OPEN 1,8,15,"N:LEERDISKETTE,00" : CLOSE 1
Nun sollte das Diskettenlaufwerk kurz rattern (mechanischer Initialisierungsvorgang).
Der Vorgang dauert in der Grundkonfiguration etwa zwei Minuten. Zeit für eine kleine Belohnung oder Pause.
Ist die Formatierung abgeschlossen, stoppt die Diskette und der Cursor blinkt wieder unter dem READY.

Um nun einerseits die gelungene Formatierung zu prüfen, andererseits nachzuschauen, wieviel Platz die Diskette bietet und welche Programme darauf gespeichert sind, wird folgender Befehl verwendet:
LOAD"$",8 und nach dem Ladevorgang LIST
Die Diskette sollte leer sein und damit 664 BLOCKS FREE anzeigen.
Das entspricht in heutiger Größenangabe 0,162109375 MiB oder 0,0001583099365234375 GiB.
Überrascht? Der Platz reicht für etwa 170 randvoll geschriebene DinA4 Seiten oder -praxisnaher- etwa vier richtig gute Spiele.

Wenn das nicht ausreicht, funktioniert ein einfacher Trick:
Die Diskette wird einfach umgedreht und auf der anderen Seite auch benutzt!
Um das allerdings durchzuführen, wird optimalerweise ein Diskettenlocher benötigt, mit dem eine rechteckige Kerbe in den linken oberen Rand gestanzt wird. Das war ein damals üblicher Vorgang. Bitte nicht an einer DVD ausprobieren!!!
Dann wird der vorher beschriebene Formatiervorgang wiederholt und der Diskette somit insgesamt 2*664 Blocks verpasst.

Es existieren noch andere Diskettenlaufwerke als die 1541-II, die hier zur Benutzung kam.
Die 1541 (eins) hat ein eingebautes Netzteil, tut aber genau das, was die 1541-II tut.
Die 1571 gibt es nur mit eingebautem Netzteil und bietet eine gleichzeitig zweiseitige Nutzung, somit stehen insgesamt 1328 Blocks zur Benutzung frei (ohne den Umstand des Disketten lochens und umdrehens).
Die 1581 ist ein 3,5″ Diskettenlaufwerk, bietet auf kleineren Disketten gleichzeitig die fast fünffache Kapazität mit 3160 Blocks an.
Der Befehl zur Formatierung ist bei diesen Geräten gleich.
Eine Besonderheit bietet die Floppystation SFD1001, die auf 5,25″ Disketten gleich noch mehr Platz bietet.
Der Trick besteht in einer ausgeklügelten Aufzeichnungstechnologie, die heutzutage bei Festplatten Anwendung findet.
Die Magnetpartikel werden nicht in horizontaler sondern in vertikaler Ausrichtung magnetisiert.
Damit ergibt sich auf Standard Double-Density Disketten, die eigentlich nur für maximal 500kB pro Seite zertifiziert sind, eine Speicherdichte von einem ganzen Megabyte pro Seite, also weit über 4000 Blocks. Ein Diskettenlaufwerk also, dass seiner Zeit weit voraus war (und noch ist). Durchgesetzt hat sich allerdings ähnlich wie beim Videokassettenformat das etwas schlechtere Produkt. Und so gibt es heute den C64-Disketten-„Standard“ .D64, der zu fast 100% von SD-Karten Speicherlösungen unterstützt wird.

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